Ursachen von Unfruchtbarkeit bei der Frau

Finden Sie hier eine Übersicht über mögliche Gründe von Unfruchtbarkeit bei Frauen – von Hormonstörungen, wozu auch PCO-Syndrom und nachlassende Fruchtbarkeit ab 40 zählen, bis zu seltenen Störungen des Immunsystems.

Hormonstörungen

Eine Vielzahl von Hormonen greift in das Wachstum der Eizellen im Eierstock, die Vorgänge rund um die Befruchtung und die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter ein. Stehen die Hormone in einem Ungleichgewicht zueinander, können neben der Eizellreifung auch der Eisprung, das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut oder die Bildung des Gelbkörpers negativ beeinflusst werden.

PCO-Syndrom (Syndrom der polyzystischen Ovarien)

Dabei handelt es sich um die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter. In Europa sind etwa 5 bis 10% aller Frauen davon betroffen. Gleichzeitig ist das PCO-Syndrom damit die häufigste Ursache der hormonell bedingten weiblichen Unfruchtbarkeit. Zyklusunregelmäßigkeiten sind häufig, oft bleibt die Monatsblutung auch ganz aus. Die Diagnose wird einerseits durch eine Ultraschalluntersuchung, andererseits durch typische Hormonbefunde gestellt. Jüngste Forschungsarbeiten haben ergeben, dass das PCO-Syndrom häufig mit einem gestörten Zuckerstoffwechsel in Zusammenhang steht, vor allem dann, wenn gleichzeitig Übergewicht besteht. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurden in den letzten Jahren neue Behandlungsstrategien entwickelt, mit denen es häufig auch gelingt, auf natürlichem Weg – mit nur leichter hormoneller Unterstützung oder mit Hilfe einer Operation – den Kinderwunsch zu erfüllen.

Kinderwunsch über 40

Für eine Frau nimmt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, vor allem ab dem 40. Lebensjahr deutlich ab. Wesentliche Faktoren für die nachlassende Fruchtbarkeit ab diesem Alter sind hormonelle Ursachen, die zur Beeinträchtigung der Eizellreifung führen. Als Gründe werden zusätzlich auch deutlich häufigere genetische Störungen – sogenannte Aneuploidien (zu viele oder zu wenige Chromosomen) – angegeben. Diese medizinischen Voraussetzungen laufen der gesellschaftlichen Entwicklung entgegen, die dazu führt, dass der späte Kinderwunsch immer häufiger wird.

Grundsätzlich wird um das 40. Lebensjahr herum die Bewältigung mehrerer Hürden bei der Betreuung von Kinderwunschpatientinnen schwieriger. Zunächst sollen mit einer individuellen Stimulationsbehandlung möglichst viele Eizellen gewonnen werden, die sich dann mit dem Samen des Partners befruchten lassen und sich anschließend in der Gebärmutterschleimhaut einnisten müssen. Und schließlich muss bei diesen Patientinnen aufgrund des zusätzlich erhöhten Fehlgeburtenrisikos besonderes Augenmerk auf die medikamentöse Behandlung der Lutealphase, in der sich der Embryo in die Schleimhaut der Gebärmutter implantiert und aus der heraus dann die Schwangerschaft entsteht, gelegt werden.

All diese Erfahrungen lassen wir in die individuellen Stimulations- und Behandlungsplanungen einfließen, mit größtem Augenmerk auf eine möglichst kostenschonende Weise. Wir haben uns dieses Problems besonders angenommen und konnten schon viele Frauen über 40 zu glücklichen Müttern machen.

Weitere mögliche Ursachen

Eileiterbedingte Unfruchtbarkeit

Die Eileiter sind das „Förderband“ für die Samenzellen zur Eizelle und für befruchtete Eizellen (Embryonen) in die Gebärmutterhöhle. Sind die Eileiter geschädigt oder komplett verschlossen, ist dieser Transport der Samenzellen bzw. des Embryos erschwert oder ganz unmöglich. Ein teilweiser oder kompletter Verschluss der Eileiter kann durch Entzündungen, vorangegangene Eileiterschwangerschaften, Operationen oder durch eine spontane Wucherung der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter (Endometriose) bedingt sein.

Endometriose

Endometriose ist eine Krankheit, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle, also zum Beispiel in der Bauchhöhle, auf bzw. in den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm, aber auch tief infiltrierend in der Muskelschicht der Gebärmutter selbst, wächst. Man nimmt an, dass etwa 5 bis 10% aller Frauen unter Endometriose leiden. Unter den Frauen mit einer beeinträchtigten Fruchtbarkeit findet sich Endometriose jedoch deutlich häufiger, nämlich in 30 bis 40% der Fälle. Starke Schmerzen während der Menstruation können ein Symptom für Endometriose sein, sehr häufig bleibt diese Erkrankung jedoch unerkannt, da in vielen Fällen nur eine Bauchspiegelung die Diagnose absichern kann.

Die Ursache dieser Erkrankung ist nach wie vor unbekannt, aber sie kann auf viele Arten die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Bei schwerer Endometriose sind sehr häufig Verwachsungen der Eileiter und/oder Eierstöcke die Ursache der Unfruchtbarkeit. Aber auch bei leichter Endometriose, die oft nur als Zufallsbefund oder im Rahmen einer Sterilitätsabklärung diagnostiziert wird, zeigen sich Störungen, die zur Unfruchtbarkeit führen. Im Vordergrund stehen hier Schwierigkeiten bei der Eizellreifung und in der Folge auch bei der Einnistung des Embryos in die Gebärmutter.

Unsere Teammitglieder beschäftigen sich seit mehr als 20 Jahren mit der Erforschung der Ursachen und der Entwicklung möglicher Behandlungsformen für diese Erkrankung. Derzeit bietet eine künstliche Befruchtung, vor allem in Kombination mit ICSI und/oder dem Assisted Hatching die besten Chancen, um schwanger zu werden.

Strukturelle Veränderungen der Gebärmutter/Gebärmutterschleimhaut

Muskelknoten in der Gebärmutter (Myome) kommen sehr häufig vor. Manchmal, vor allem dann, wenn sie in der Nähe der Schleimhaut sitzen, sind sie der Grund für anhaltende Unfruchtbarkeit oder immer wiederkehrende Fehlgeburten. In solchen Fällen lässt sich das Problem häufig durch eine Operation beheben. Der Gebärmutterhals ist, ähnlich wie bei einem Flaschenhals, für die Spermien auf dem Weg zur Eizelle die engste Stelle. Durch Vernarbungen (z.B. nach Operationen), Verschlüsse oder Entzündungen kann die Fortpflanzung auch in diesem Bereich behindert werden.

In seltenen Fällen sind – in der Regel angeborene – Fehlbildungen an den Fortpflanzungsorganen der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch. Diese sind wiederum zum Teil operativ relativ leicht behebbar.

Manchmal liegt die Ursache für das Nichteintreten einer Schwangerschaft darin, dass die Schleimhaut sich nicht entsprechend entwickelt und der Embryo sich dann nicht einnisten kann. Neben dem Nichtansprechen der Schleimhautzellen auf die verschiedenen Hormone und Wachstumsfaktoren können auch Krankheiten wie Endometriose und chronische Infektionen den komplizierten Vorgang der Einnistung des Embryos in der Gebärmutterschleimhaut negativ beeinflussen. Die Ursachen solcher Probleme und die Evaluierung möglicher Therapieansätze sind ein wesentlicher Schwerpunkt unserer derzeit laufenden Forschungsaktivitäten.

Bei Problemen mit der Embryo-Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut bietet eine künstliche Befruchtung in Kombination mit Seminalplasmaspülung, Embryo Glue und/oder Endometriumaufbauspülung die besten Chancen, um schwanger zu werden.

Störungen im Immunsystem

Selten ist eine gestörte Immunantwort der Grund für die Unfruchtbarkeit der Frau. Bei dieser Fehlfunktion hält das eigene Immunsystem die Eizelle oder die Samenzellen für einen Fremdkörper, die dann als „Eindringling“ bekämpft werden.